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Im Gespräch mit RepaNet

Langfristige Partnerschaft für sozialwirtschaftliche Kleidersammlung

Tchibo ist für Kaffeetradition und frische Ideen im Non Food Bereich bekannt. Dabei ist qualitativ hochwertige, langlebige Produkte anzubieten seit jeher die Devise. Neben dem Einsatz nachhaltiger oder recycelter Materialien und Maßnahmen für eine lange Lebensdauer zählt dazu auch die sinnvolle Wiederverwendung von Rohstoffen nach dem Konsum. In Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein RepaNet wollen wir deshalb Bewusstsein für Re-Use und die richtige Altkleiderverwertung von Textilien schaffen. Im Gespräch mit RepaNet Geschäftsführer Matthias Neitsch und Manuela Schneider, Leiterin Corporate Communications und Corporate Responsibility bei Tchibo, beleuchten wir die Partnerschaft genauer:

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Tchibo und RepaNet?

Matthias Neitsch, Geschäftsführer RepaNet ©RepaNet

Neitsch: Auf der Suche nach einem Experten im Bereich Textilkreislauf und Re-Use kam Tchibo auf uns zu. So starteten unsere Gespräche, bei denen wir sehr rasch gemeinsame Ziele sahen, die wir nun miteinander erreichen wollen. Wir freuen uns, mit Tchibo Österreich einen starken Partner zu haben, der unsere Werte teilt, um gemeinsam die sozialwirtschaftliche Textilsammlung in Österreich sichtbar zu machen. Tchibo zeigte großes Engagement und Bereitschaft als Unternehmen nachhaltige Veränderung zu bewirken – durch Bewusstseinsbildung bei den KundInnen sowie die laufende Überprüfung und Verbesserung der hohen internen Standards und Prozesse auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Wir freuen uns sehr Tchibo als langfristigen Partner gewonnen zu haben und gemeinsam Großes bewirken zu können.

Manuela Schneider, Leiterin Corporate Communications & Corporate Responsibility bei Tchibo

Schneider: Die Schonung der Umwelt und ein respektvolles Miteinander entlang der gesamten Wertschöpfungskette stehen bei Tchibo im Mittelpunkt. Dazu zählt für uns auch die sinnvolle Wiederverwendung von Rohstoffen nach dem Konsum. Die Philosophie von RepaNet passt hervorragend dazu, denn auch RepaNet stellt ressourcenschonendes Wirtschaften in den Mittelpunkt seiner Vereinstätigkeiten. Gemeinsam verfolgen wir dieselben ambitionierten Ziele in Bezug auf soziales und umweltgerechtes Wirtschaften. Deshalb freuen wir uns, dass beide Seiten im Austausch voneinander lernen und profitieren können.

Welche Ziele verfolgen Sie genau mit der Kooperation?

Schneider: Tchibo möchte im Rahmen seiner Produktverantwortung Wege für eine längere Nutzung von Textilien entwickeln. Die Zusammenarbeit mit RepaNet soll der erste Schritt einer systemischen Verbesserung sein und Möglichkeiten des Mitwirkens zum Wohle unserer Umwelt aufzeigen. Konkret wollen wir unsere Kundinnen und Kunden mit der Kooperation über die besten Möglichkeiten für eine sinnvolle Wiederverwendung und die nachhaltige Kleiderspende informieren.

Neitsch: Die Philosophie von RepaNet – der achtsame Umgang mit Menschen und Dingen – spiegelt sich auch in den Zielen unserer Partnerschaft mit Tchibo wieder. Ressourcenschonung – speziell bei Textilien – als positive und gewinnbringende Handlungsoption an neue Zielgruppen zu vermitteln ist eines davon. Das zweite Ziel betrifft die Steigerung der Achtung und Wertschätzung gegenüber benachteiligten Personengruppen wie etwa Langzeitarbeitslosen. In den sozialwirtschaftlichen Betrieben, für die wir uns stark machen, gelingt es, diesen Menschen neue Chancen zu eröffnen.

Welche Vorteile hat das für die Konsumenten?

Schneider: Im Dschungel der Altkleidersammelstellen empfehlen wir aus voller Überzeugung die Abgabestellen der RepaNet-Mitglieder auf sachspenden.at. Die Konsumenten können sich somit sicher sein, dass ihre Kleiderspende gemeinnützigen Organisationen mit sozialwirtschaftlichen Betrieben zugutekommt. Auf www.tchibo.at/textilverwertung erhält man wichtige Hintergrundinformationen zur richtigen Handhabung der Altkleiderverwertung und wissenswerte Tipps aus dem RepaNet-Netzwerk zum Re-Use der Textilien.

Neitsch: Die Website sachspenden.at entstand aus dem Wunsch heraus, eine Orientierungshilfe für SpenderInnen zu schaffen. Oft steht hinter scheinbar gemeinnützigen Kleidersammlungen eine privatwirtschaftliche Firma, die die Ware unsortiert exportiert und den Großteil der Gewinne kassiert. Dieser Situation verschaffen wir mit dem Launch von sachspenden.at nun Abhilfe: Alle dort verzeichneten Kleidercontainer und Abgabestellen gehören zu gemeinnützigen Organisationen, die wir als unsere Mitglieder sehr gut kennen. Sie verkaufen einen möglichst großen Anteil der Ware in den eigenen Re-Use-Shops.im Inland und verwenden die Erlöse – nach Abzug der eigenen Kosten – zu 100% für karitative Projekte.

Was kann man sich unter Kreislaufwirtschaft vorstellen?

Neitsch: Bei RepaNet klären wir schon seit vielen Jahren darüber auf, dass echte Kreislaufwirtschaft mehr als nur Recycling ist. Wir haben dazu beigetragen, dass in der europäischen Abfallhierarchie Vermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung als prioritäre Stufen vor Recycling verankert wurden: Dinge reparieren, länger verwenden und wiederverwenden ist cool und schont Ressourcen. Um echte Circular Economy betreiben zu können, brauchen wir aber die passenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Auf EU-Ebene ist hier etwa mit dem Circular Economy Action Plan und neuen Ökodesign-Regelungen bereits vieles in Bewegung gekommen, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns – möglichst zirkulär, versteht sich. Wir freuen uns, dass uns Tchibo dabei begleitet.

Schneider: Ein langer Weg ist bereits gegangen, Nachhaltigkeit ist seit 14 Jahren unverzichtbarer Bestandteil unserer Geschäftstätigkeit, und ebenso liegt noch viel Arbeit vor uns. Stetig gestalten wir unsere Lieferketten und Produkte nachhaltiger und verantwortungsbewusst. Um dieses Ziel zu erreichen, wird bei Tchibo konsequent der Ansatz des geschlossenen Materialkreislaufes verfolgt. Bereits jetzt arbeiten wir zu einem großen Teil mit nachhaltigen Stoffen oder greifen auf Recycling-Material zurück. Teil unseres Nachhaltigkeitsengagements ist auch die Kooperation mit RepaNet. Im Sinne einer echten Kreislaufwirtschaft sollten Produkte möglichst lange in Verwendung bleiben, denn durch eine längere Nutzung und Wiederverwendung werden Ressourcen geschont. Doch Kleidersammler arbeiten unterschiedlich und nicht automatisch für einen sozialen Zweck – es lohnt sich also genau hinzusehen. Um auf die besten Optionen für eine sinnvolle Weiterverwendung und die nachhaltige Kleiderspende zu verweisen, haben sich Tchibo und RepaNet zusammengeschlossen.

Über Matthias Neitsch:

Matthias Neitsch ist seit 1990 in der Abfallwirtschaft tätig mit Fokus auf kommunale Umwelt- und Abfallberatung, Abfallvermeidung und Re-Use. 2004 war er an der Gründung von RepaNet, dem Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreich, beteiligt und hat seitdem den Verein weiter aufgebaut. Im Einsatz für sozialwirtschaftliche Re-Use- und Reparaturbetriebe kann Neitsch bereits auf einige große Erfolge zurückblicken, so die Stärkung von Re-Use und sozialwirtschaftlichen Betrieben in der EU-Abfallrahmenrichtlinie, dem EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft sowie in Österreich im Bundesabfallwirtschaftsplan, in der Elektroaltgeräte-Verordnung und der Recyclingbaustoff-Verordnung. Neitsch ist zudem Geschäftsführer des Verbandes Abfallberatung Österreich (VABÖ), des Zusammenschlusses der 350 kommunalen Umwelt- und AbfallberaterInnen und bringt seine Expertise in zahlreichen Projekten, Gremien und Netzwerken ein.

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